Lamprecht und Stamm
Sozialforschung und Beratung AG

Soziale Ungleichheit in der Schweiz

Ausgehend von einer umfangreichen Datenerhebung im Rahmen des International Social Survey Programme (ISSP) untersuchte das Projekt die Struktur und Wahrnehmung sozialer Ungleichheit in der Schweiz.

Detailinformationen

Im Rahmen des ISSP werden in verschiedenen Ländern periodisch grosse, repräsentative Befragungen zu verschiedenen sozialwissenschaftlichen Themenstellungen durchgeführt. Im Jahr 1999 stand das Thema "Soziale Ungleichheit" auf dem Programm.

Der von der Leitung des ISSP-Programm vorgegebene Fragebogen zur Struktur und Wahrnehmung der Ungleichheit in den Untersuchungsländern wurde im Projekt auf eine Reihe weiterer, für die Schweiz besonders interessanter Fragestellungen erweitert. Aufgrund der Länge des Fragebogens wurde eine telefonische (rund 2000 Personen) mit einer schriftlichen Nachbefragung (rund 1250 Personen) kombiniert.

In der Auswertung wurde ausgehend von einer Beschreibung der Schweizer Ungleichheitsstruktur besonderes Augenmerk auf verschiedene Ungleichheitswahrnehmungen und ihre Verknüpfung mit der eigenen strukturellen Position gerichtet. Folgende Befunde sind an dieser Stelle erwähnenswert.

  • Die Schweiz ist durch ein erhebliches Mass an sozialer Ungleichheit charakterisiert. Obwohl sich keine Zunahme der Ungleichheit während der 1990er Jahre nachweisen lässt, bestehen weiterhin beträchtliche Unterschiede zwischen verschiedenen sozialen Gruppen. Die Privilegienverteilung folgt dabei nicht streng dem "Leistungsmodell" – zugeschriebene Merkmale und "neue" Ungleichheiten spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Zudem existieren systematische Verknüpfungen zwischen struktureller Position und unmittelbaren Lebensbedingungen und Lebensstilen.
  • Die Ungleichheit wird in der Schweiz überaus kritisch wahrgenommen. Es besteht ein breiter Konsens darüber, dass die aktuellen (Einkommens)ungleichheiten zu gross sind, die Unterschiede reduziert und die Privilegienverteilung offener und gerechter erfolgen sollte. Während die Einführung von Minimallöhnen auf breite Zustimmung stösst, bestehen aber erhebliche Vorbehalte gegenüber einschneidenden Umverteilungsmassnahmen.
  • Obwohl sich auf der Grundlage von Merkmalen der sozialen Lage und der Lebensbedingungen erwartungsgemäss Unterschiede in den Ungleichheitswahrnehmungen nachweisen lassen, sind diese im Vergleich zum übergeordneten Konsens relativ gering. Die Studie skizziert verschiedene Erklärungen für diesen Befund. Dazu gehören fragmentierte Wahrnehmungsmuster als Folge einer zunehmenden sozialen Differenzierung, die Entideologisierung der Erklärungsansätze, verzerrte Wahrnehmungen aufgrund unvollständiger Information, die Emergenz eines "nivellierten Mittelschichtsbewusstseins in den Köpfen" in Abweichung zur objektiven Position sowie der vergleichsweise geringe Problemdruck der Ungleichheitsproblematik.

Status und Auftraggeber

Das Projekt wurde zwischen 1998 und 2002 durchgeführt und vom Schweizerischen Nationalfonds im Rahmen seines Schwerpunktprogramms "Zukunft Schweiz/Demain la Suisse" finanziert (Gesuch-Nr. 5004-54350). Der Schlussbericht in Form einer Buchpublikation erschien im Jahr 2003.

Am Projekt wirkten die folgenden Personen mit: Hanspeter Stamm (L&S, Projektleitung), Markus Lamprecht (L&S), Rolf Nef (Social Insight), Dominique Joye (IREC, EPF Lausanne und SIDOS, Neuchâtel), Christian Suter (ETH Zürich).

Weitere Informationen

  • Stamm, Hanspeter, Markus Lamprecht und Rolf Nef (2003): Soziale Ungleichheit in der Schweiz. Strukturen und Wahrnehmungen. Zürich: Seismo.
  • Stamm, Hanspeter und Markus Lamprecht (2004): „Die ungleiche Verteilung von Ressourcen und Privilegien in der Schweiz“. S.21-42 in: Christian Suter, Isabelle Renschler und Dominique Joye (Hg.): Sozialbericht 2004. Zürich: Seismo.

Eine kurze Download-IconZusammenfassung wesentlicher Resultate steht zudem im PDF-Format zur Download bereit.

 

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